Traditionelle Europäische Medizin und Naturkosmetik – was hat das miteinander zu tun?

  • Was ist Traditionelle Europäische Medizin (TEM)?
  • Können Pflanzen(extrakte) eine Wirkung haben?
  • Lassen sich die Erkenntnisse der TEM auf Naturkosmetik übertragen?

Ob mit Olive, Agave, Kamille oder Salbei – viele Kosmetikprodukte werben mit der Wirkung von Pflanzenextrakten. Sie sollen Feuchtigkeit spenden, die (Kopf-)Haut beruhigen oder das Haar „von der Wurzel auf“ reparieren. Viel davon klingt nach bloßem Marketing, doch ein wahrer Kern steckt wie so oft in den Werbeaussagen der Hersteller. Auch wir sind davon überzeugt, dass die wertvollen ätherischen Öle und Pflanzenextrakte in unseren Produkten in der Lage sind, deine Haut und dein Haar zu unterstützen und zu pflegen. Die Wirksamkeit vieler Pflanzenstoffe ist unumstritten: Selbst diverse Medikamente enthalten z. B. Efeu- oder Lavendelextrakt oder andere pflanzliche Auszüge. Hast du dich schon einmal gefragt, ob Pflanzenextrakte in Kosmetika und Arzneimitteln tatsächlich eine Wirkung haben können? In diesem Artikel erfährst du mehr darüber.

Ist das nicht die Sache aus China?

Wenn man sich mit dieser Frage beschäftigt, dann stößt man irgendwann auf den Begriff Traditionelle Europäische Medizin (TEM). Moment mal, das heißt doch TCM! Nein, du hast richtig gelesen: TEM. TCM steht für Traditionelle Chinesische Medizin und ist vielen geläufiger als TEM. Denn obwohl das M für Medizin steht, wird der Begriff TEM im medizinischen Bereich quasi nicht verwendet. Neugierig geworden? Dann lies einfach weiter, denn in diesem Artikel schauen wir uns die TEM etwas näher an. Wenn du dich jetzt fragst, ob wir gerade etwas abdriften und was das mit Naturkosmetik zu tun hat – auch dieser Frage gehen wir nach. Los geht’s! Wir starten wieder ganz vorne mit der Frage:

Was ist Traditionelle Europäische Medizin (TEM) eigentlich?

TEM ist ein Oberbegriff für verschiedene Behandlungsmethoden. Die Gemeinsamkeit dieser Behandlungsmethoden ist ihr Ursprung: Der wird dem europäischen Kulturraum zugeordnet. An dieser Stelle wird direkt klar, worin der Unterschied zur TCM liegt: nämlich in der geografischen Herkunft der Behandlungsmethoden. Wie so oft gibt es auch bei der TEM keine einheitliche Definition. Das betrifft einerseits den Begriff selbst, denn manchmal wird auch von TEN (Traditionelle Europäische Naturheilkunde) oder TEH (Traditionelle Europäische Heilkunde) gesprochen. Andererseits herrscht auch keine Einigkeit darüber, welche Behandlungsmethoden zur TEM zählen und welche nicht. In diese Diskussion steigen wir allerdings gar nicht erst ein, schließlich soll das hier keine theoretische Abhandlung werden.

Heilkunde von Hippokrates bis heute

Wir versuchen es mal kurz und knapp zu beschreiben: Unter TEM kann mündlich überliefertes Wissen um Heilmethoden und insbesondere Heilpflanzen, Klostermedizin (z. B. Hildegard von Bingen) und Kneipp-Anwendungen bis hin zur Homöopathie, Anthroposophie oder Osteopathie gefasst werden. Kurz gesagt: ziemlich viel! Zeitlich betrachtet ist das ganze schon etwas einfacher. Der Beginn der TEM wird beim griechischen Arzt Hippokrates von Kos (ca. 460 – 370 v. Chr.) verortet. Hippokrates…? Arzt…? war da nicht was? Richtig! Hippokrates von Kos wird der relativ bekannte Hippokratischen Eid zugeschrieben. An diesen Schwur der damaligen Ärzte sind auch heute noch einige ärztliche Berufspflichten angelehnt (z. B. den Patienten vor Schaden zu bewahren oder auch das Arztgeheimnis). So weit so gut. Gibt es außer dem Aspekt, dass die TEM zeitlich betrachtet bei einem Arzt beginnt, noch mehr „Medizinisches“ in der TEM? Oder anders gefragt:

Können Pflanzen(extrakte) überhaupt eine Wirkung haben?

Das ist die spannende Frage! In der Medizingeschichte und der heutigen Medizin werden für die Behandlungsmethoden der TEM meist Begriffe wie Alternativmedizin oder Komplementärmedizin verwendet. Also ist TEM keine „richtige“ Medizin? Die Antwort auf diese Frage fällt wieder in den Bereich von Definitionen und dieses Feld überlassen wir anderen. Das soll jetzt nicht bedeuten, dass TEM eine völlig esoterische Angelegenheit ist, an die man glaubt oder nicht glaubt. Denn speziell das Wissen der TEM um Heilmethoden und Heilpflanzen wird im Kern als „medizinfähig“ eingestuft. Das heißt konkret: Dieses Wissen ist konsistent, schlüssig und wissenschaftlich überprüfbar (ob es auch wissenschaftlich überprüft wird, ist allerdings eine andere Frage). Vielleicht merkst du schon, dass wir uns langsam der Frage nähern, was das alles mit Naturkosmetik zu tun hat. Denn ein Teil der TEM umfasst das Wissen um die Wirkung von Heilpflanzen (auch Phytotherapie genannt). Und insbesondere in Naturkosmetik finden sich viele pflanzliche Inhaltsstoffe – schließlich soll die Chemie hier außen vor bleiben.

Auch traditionell angewendete Pflanzen(extrakte) können eine Wirkung haben

Die bereits erwähnte Phytotherapie wird nicht ausschließlich im Bereich der Alternativmedizin wie Homöopathie oder Bachblüten-Therapie angewendet. Auch in der Schulmedizin gibt es einen Bereich, der sich mit Heilpflanzen befasst. Dies ist die sogenannte Rationale Phytotherapie. Hier wird die Wirkung von Heilpflanzen mit wissenschaftlichen Methoden untersucht. Kann eine Wirkung nachgewiesen werden, wird der wirksame Pflanzenbestandteil extrahiert und z. B. als Inhaltsstoff in Medikamenten eingesetzt. Diese sogenannten Phytotherapeutika müssen auch vom Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte zugelassen werden. Damit sie von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden, müssen sie in Bezug auf ihren Wirksamkeitsnachweis die gleichen Anforderungen erfüllen wie andere medizinische Arzneimittel. Wenn ein Arzneimittel diese Anforderungen nicht erfüllt, dann kann es unter bestimmten Voraussetzungen als traditionelles pflanzliches Heilmittel zugelassen werden. Manchmal wird natürlich auch versucht, den pflanzlichen Wirkstoff durch eine chemische Substanz zu ersetzen. Das kann nicht nur günstiger in der Herstellung sein, sondern es auch leichter machen, eine gleichbleibende Qualität und Menge herzustellen als bei Pflanzenextrakten.

Nicht alle Heilpflanzen werden wissenschaftlich untersucht

Kurz gesagt: Für verschiedene Pflanzen gibt es wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse über ihre Wirkung. Das bedeutet im Umkehrschluss aber nicht, dass alles andere unwirksam ist, was man mit Heilpflanzen anstellen kann. Heilpflanzen können auch dann eine Wirkung haben, wenn sie anders verwendet werden, als dies in Phytotherapeutika der Fall ist. Anders kann z. B. bedeuten: als Komplettauszug im Tee anstatt als Extrakt. Und Heilpflanzen können auch eine Wirkung haben, ohne dass diese wissenschaftlich nachgewiesen ist. Dies ist dann der Bereich, der unter den Begriff „traditionell“ fällt, also in die Kategorie „Erfahrungsschatz“. Schließlich werden nicht alle Pflanzen und ihre Wirkungen wissenschaftlich untersucht, denn auch Forschung ist kein Selbstzweck und muss finanziert werden. Aber wahrscheinlich hast auch du schon mal das eine oder andere Hausmittel ausprobiert und vielleicht sogar eine Wirkung festgestellt. Jetzt sind wir an dem Punkt, an dem wir in Richtung Naturkosmetik abbiegen.

Begrenzte Übertragbarkeit von Wirkungen auf andere Anwendungsfälle

Kritische Menschen fragen sich an dieser Stelle vielleicht, ob sich denn die Wirkung einer Heilpflanze, die z. B. für Phytotherapeutika festgestellt wurde, überhaupt auf Kosmetikprodukte übertragen lässt. Diese Frage ist berechtigt, denn schließlich wird in einer wissenschaftlichen Studie ein ganz spezieller Anwendungsfall untersucht. Und das Ergebnis gilt erstmal uneingeschränkt nur für diesen speziellen Anwendungsfall. Theoretisch müsste also z. B. für jedes Shampoo oder jede Creme, die einen pflanzlichen Inhaltsstoff enthält, eine eigene Studie durchgeführt werden – und zwar für jeden einzelnen Inhaltsstoff, dem eine Wirkung zugeschrieben wird. Denn jedes Produkt ist anders zusammengesetzt und wäre sozusagen ein eigener Anwendungsfall. Das wäre nicht nur eine zeitlich aufwändige und kostspielige Angelegenheit, sondern auch etwas überdimensioniert. Denn es macht einen Unterschied, wie ein Wirkstoff in den Körper gelangt. Ein eingenommenes Präparat wird verstoffwechselt und über den Blutkreislauf im gesamten Körper verteilt. Wird es nicht vertragen, kann es an verschiedenen Körperregionen und -organen Probleme bereiten. Bei äußerlich angewendeten Produkten wie Naturkosmetik ist das anders. Sie wirken dort, wo sie aufgetragen werden. Wenn ein äußerlich aufgetragenes Produkt nicht vertragen wird, dann sieht man das in der Regel nur dort, wo es aufgetragen wurde. Deswegen sind die Anforderungen an eingenommene Wirkstoffe auch strenger, weil sie sozusagen mehr Schaden anrichten können.

Erfahrungswissen über Wirkmechanismen

Aber auch ohne eigene Studien lässt sich die Wirkung von Heilpflanzen manchmal auch auf andere Anwendungsbereiche übertragen. Für Salbei ist beispielsweise eine entzündungshemmende und adstringierende (zusammenziehende) Wirkung wissenschaftlich belegt, auch wenn man damit als Hersteller zum Beispiel von Nahrungsmitteln nur in sehr engen Grenzen werben darf. Das Gurgeln mit Salbeitee kann trotzdem bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum helfen, diese zu lindern. Speziell die adstringierende Wirkung ist allerdings eine chemische Reaktion. Das heißt, auch ein Pflanzenwirkstoff kann sie auslösen. In so einem Fall lassen sich Wirkmechanismen auch ohne direkten Wirksamkeitsnachweis plausibel übertragen. Bei vielen anderen Wirkungen muss man allerdings auf den Erfahrungsschatz der traditionellen Anwendung der jeweiligen Heilpflanze vertrauen.

Fazit: Naturkosmetik bezieht sich häufig auf das traditionelle Wissen der TEM

Unter dem Oberbegriff TEM tummeln sich verschiedene Anwendungsmethoden. Obwohl es erst anders schien, hat sich bei Traditioneller Europäischer Medizin doch eine kleine Schnittmenge zur Naturkosmetik ergeben: das Wissen um Wirkungen von Heilpflanzen. Und die ist teilweise wissenschaftlich belegt. Aber lassen sich wissenschaftlich nachgewiesene Wirkungen, die nur für einen bestimmten Anwendungsfall gelten, auch auf andere Anwendungsmöglichkeiten übertragen? Das lässt sich pauschal nicht bestätigen. Bei vielen Wirkstoffen vertrauen wir allerdings vor allem auf den jahrhundertealten Erfahrungsschatz des traditionellen Wissens um Heilpflanzen. Wir sind davon überzeugt: Auch wenn keine eigene Wirksamkeitsstudie für jedes Shampoo oder jede Creme durchgeführt wurde, können Pflanzenwirkstoffe dort ihre Wirkung entfalten. Glauben musst du uns das allerdings nicht, denn Probieren geht über Studieren. Teste einfach unsere Naturprodukte und tauche ein in die Welt der Heilpflanzen - von Salbei über Lavendel bis hin zum Traubenkernöl.