Was du bei Haarausfall tun kannst, auch wenn du die Ursache nicht kennst

  • Wie viel Haarausfall ist normal?
  • Welche Rolle spielen Hormone beim Haarausfall?
  • Wodurch wird Haarausfall ausgelöst und was kannst du tun?

Vielleicht hast du auch schon mal bemerkt, dass du manchmal weniger und manchmal mehr Haare verlierst. Aber ab wann ist das Grund zur Sorge? Nun ist Haarausfall nicht gleich Haarausfall. Trotzdem solltest du Haarausfall ernst nehmen, wenn du ihn bemerkst, und deinen Hautarzt ansprechen. Du kannst aber selbst (auch vorbeugend) etwas für deine Haargesundheit tun, indem du auf deine Ernährung und genügend Bewegung achtest und hormonell wirksame Inhaltsstoffe in deinen Kosmetikprodukten vermeidest.

Bis zu 300 Haare täglich verlieren ist normal

Haare zu verlieren ist normal, denn auch sie haben einen Lebenszyklus. Ohne jetzt tiefer in die Biologie abzutauchen, wird es als normal betrachtet, 70 bis 150 Haare pro Tag zu verlieren. Das heißt jetzt aber weder, dass du alle deine ausgefallenen Haare zählen sollst, noch dass du beim 151. Haar zum Arzt musst. Denn in bestimmten Situationen kann es normal sein, dass du mehr Haare verlierst als üblich. Zum Beispiel nach besonderen Beanspruchungen, wie dem Haarewaschen oder einem Frisörbesuch. Dann können sich auch schon mal bis zu 300 Haare am Tag verabschieden. Auch im Herbst ist es üblich, dass mehr Haare „goodbye“ sagen, ohne dass wir groß etwas dazu beitragen. Um das Phänomen Haarausfall etwas besser zu verstehen, schauen wir uns erst einmal kurz die körpereigene Kommunikation etwas näher an.

Hormone steuern viele Vorgänge in unserem Körper

Wenn in unserem Körper etwas verändert werden soll, dann muss das „betriebsintern“ kommuniziert werden. Kurzer Sprint zur Bahn nötig? Es wird ad hoc mehr Energie benötigt und Stresshormone werden ausschütten. Zu viel Süßes gegessen? Der Blutzuckerspiegel muss wieder ins Lot, Insulin wird ausgeschüttet und so weiter. Diese körpereigene Kommunikation findet über verschiedene Hormone statt. Unser Gehirn überwacht und steuert die Hormonlevel im Blut, damit alles rund läuft. Das Hormonsystem ist allerdings sensibel: Wenn hier etwas nicht im Lot ist oder sich verändert, dann wirst du körperliche Auswirkungen bemerken. Zum Beispiel laufen die körperlichen Veränderungen, wenn Kinder zu Teenagern werden, über eine Umstellung des Hormonhaushaltes. Vielleicht kannst du dir jetzt vorstellen, dass Hormone auch in Bezug auf Haare und Haarausfall eine Rolle spielen.

Genetisch bedingter Haarausfall durch Überempfindlichkeit

Fangen wir mit einem der bekanntesten Hormone an: Dem Testosteron. Das haben übrigens auch Frauen, obwohl es im Allgemeinen als Männerhormon bekannt ist. Testosteron selbst ist allerdings nicht der Übeltäter bei genetisch bedingtem Haarausfall. Der Bösewicht heißt Dehydrotestosteron und ist ein Zwischenprodukt, das bei der Bildung von Testosteron entsteht. Manche Menschen reagieren überempfindlich auf dieses Zwischenprodukt. Diese Überempfindlichkeit wiederum ist meistens genetisch bedingt. Bei einer Überempfindlichkeit gegen Dehydrotestosteron schrumpfen die Haarwurzeln und sterben ab. Bei Frauen wird das Haar dann oft „nur“ gleichmäßig dünner. Bei Männern hingegen beginnt es häufig mit den sogenannten Geheimratsecken und entwickelt sich bis zur vollständigen Glatze. Leider kann man gegen diese Überempfindlichkeit nicht viel tun. Wenn du davon betroffen bist, kann dir vielleicht ein spezialisierter Endokrinologe helfen.

Ursache unbekannt: der kreisrunde Haarausfall

Der Kreiserunde Haarausfall wird ziemlich schnell bemerkt, denn er tritt meist akut und plötzlich ein. Die genaue Ursache ist noch unbekannt. Kreisrunder Haarausfall wird häufig von (verstecken) Entzündungen begleitet. Daher wird vermutet, dass hier das Immunsystem eine Rolle spielen könnte und körpereigene Abwehrzellen die Haarwurzeln angreifen (und zerstören). Wenn das Immunsystem sich gegen den eigenen Körper richtet, nennt man das Autoimmunität. Als Folge können Autoimmunerkrankungen entstehen, wie zum Beispiel Schilddrüsenerkrankungen. Jetzt fragst du dich vielleicht, was das mit Hormonen zu tun hat. Als Teil unseres Körpers funktioniert auch unser Immunsystem nicht isoliert, sondern steht mit unserem Nervensystem in Verbindung, und zwar – du ahnst es vielleicht – über Hormone. Bei kreisrundem Haarausfall wachsen die Haare häufig innerhalb eines Jahres von allein wieder nach. Da die Ursache nicht bekannt ist und der Haarausfall häufig von selbst wieder aufhört, ist nicht klar, welche der möglichen Behandlungsformen wirkt. Ein Besuch beim Arzt ist allerdings auch hier ratsam.

Bei diffusem Haarausfall ist die Ursache meist schwieriger zu finden

Wie das Wörtchen „diffus“ schon verrät, wird die Haarpracht hier überall am Kopf dünner. Die Ursachen hierfür können in vielen Bereichen liegen. Hier mal ein paar Beispiele:

  • bei Frauen nach der Geburt eines Kindes
  • aufgrund von bestimmten Krankheiten, z. B. Gürtelrose oder Wundrose
  • durch Medikamenteneinnahme, vor allem durch β-Blocker, Lipidsenker oder Krebsmedikamente (Zytostatika)
  • aufgrund von Stoffwechselstörungen wie Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen oder schwere Leberfunktionsstörungen
  • Mangel an Proteinen, essentiellen Fettsäuren und Spurenelementen insbesondere Eisen, Zink, Folsäure oder B12
  • durch Diäten, bei denen unter 1.000 kcal pro Tag zu sich genommen werden
  • umweltbedingte Schadstoffe (selten, aber möglich)
  • Schilddrüsenfunktionsstörung
  • mechanische Belastung der Haare, z. B. durch häufigen Pferdeschwanz, Tragen von Kopfbedeckungen oder wenn bei Bettlägerigkeit der Kopf viel aufliegt

Manchmal verschwindet diese Form von Haarausfall auch wieder von allein. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn die verursachenden Medikamente abgesetzt werden oder die Krankheit überstanden ist. Auch nach der Geburt eines Kindes stoppt der Haarausfall von selbst, wenn der Hormonhaushalt wieder umgestellt ist.

Die Dosis macht den Unterschied: hormonell wirksame Inhaltsstoffe in konventioneller Kosmetik

Vielleicht fragst du dich jetzt, was das alles mit Kosmetik oder Shampoo zu tun hat. Wenn man den genetisch bedingten und den kreisrunden Haarausfall ausklammert, gibt es bei einigen Ursachen des diffusen Haarausfalls eine Schnittmenge: Das hormonelle Gleichgewicht im Körper ist gestört. Das kann durch einen direkten Einfluss der Fall sein, wie etwa bei Schilddrüsenfunktionsstörungen oder nach einer Geburt. Eine Störung des hormonellen Gleichgewichts kann aber auch eine Folgewirkung sein, wie etwa bei einer Mangelernährung oder Stoffwechselstörungen. Es gibt aber auch hormonell wirksame Stoffe (endokrine Disruptoren), die den Hormonhaushalt beeinflussen. Das sind Chemikalien, die im Körper ähnlich wie die körpereigenen Hormone wirken. Die Kommunikation im Körper wird also gestört. Kein Wunder, wenn es dann nicht mehr so richtig rund läuft.

Grenzwerte schützen nur bedingt gegen den Einfluss homonell wirksamer Stoffe in der Kosmetik

Jetzt fragst du dich vielleicht, wie diese Chemikalien in deinen Körper kommen können. Eine Möglichkeit ist über die Haut. Zwar hat unsere Haut eine Schutzbarriere, um es den Fremdstoffen etwas schwerer zu machen. Aber diese Schutzbarriere (natürliches Hautfett) kann geschwächt sein, zum Beispiel durch bestimmte Tenside in konventionellen Kosmetikprodukten. Wenn du mehr über Tenside in Shampoos wissen möchtest, lies‘ doch mal unseren Artikel dazu. Hormonell wirksame Chemikalien – das klingt zugegebenermaßen nicht wirklich gut. Doch jetzt kommen wir der Sache auf die Spur: Diese endokrinen Disruptoren sind als Inhaltsstoffe für Kosmetik zugelassen, sofern bestimmte Grenzwerte nicht überschritten werden. In der Regel sind sie nicht akut giftig, aber sie werden mit verschiedenen Gesundheitsproblemen in Verbindung gebracht. Hierzu zählen zum Beispiel Erkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane, Missbildung von Geschlechtsorganen bei Jungen/Männern, Brustkrebs, Hodenkrebs, Schilddrüsenkrebs oder auch eine geringere Anzahl und Qualität der Spermien. Jetzt liegt die Vermutung nahe, dass die Verwendung dieser Stoffe schon in Ordnung sein wird, wenn die gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte eingehalten werden. Prinzipiell klingt das logisch, wenn das nur ein Kosmetikprodukt betrifft, das du verwendest. Allerdings können sich hormonell wirksame Inhaltsstoffe in ihrer Wirkung gegenseitig verstärken. Und die meisten Menschen benutzen wohl mehr als nur ein Kosmetikprodukt pro Tag. Vielleicht kannst du dir jetzt besser vorstellen, dass auch diese geringen Mengen eine Wirkung auf den Hormonhaushalt haben können. Vor allem wenn man bedenkt, dass hormonell wirksame Chemikalien nicht nur in Kosmetikprodukten zu finden sind. Zu den bekanntesten und häufigsten Vertretern aus den Reihen der hormonell wirksamen Inhaltsstoffe zählen übrigens Parabene. Sie werden in Kosmetika oft als Konservierungsmittel eingesetzt und du erkennst sie recht leicht an der Endung -paraben. Weitere Vertreter sind zum Beispiel der UV-Filter Ethylhexyl Methoxycinnamate (OMC) oder Bishpenol A (BPA). Letzteres ist in bestimmten Produkten bereits sogar ganz verboten.

Tipps, was du bei Haarausfall tun kannst

Vielleicht fragst du dich jetzt, ob du selbst etwas tun kannst, falls bei dir die Haarpracht gerade etwas leidet. Ein erster guter Ansatzpunkt ist, alle Kosmetikprodukte mit hormonell wirksamen Inhaltsstoffen aus deinem Leben zu verbannen. Denn es gibt Alternativen, die ohne solche Inhaltsstoffe auskommen und zum gleichen Ergebnis führen. Unsere Wildschön Clean Beauty-Produkte gehören übrigens zu den Alternativen, die „ohne“ auskommen und die natürliche Schönheit deines Haares hervorbringen. Doch wie kannst du erkennen, ob sich in einem Kosmetikprodukt hormonell wirksame Inhaltstoffe verstecken? Es gibt ein paar Apps (wie zum Beispiel CodeCheck), die dir dabei helfen. Mit denen scannst du den Barcode der Produkte und bekommst eine Liste der bedenklichen Inhaltsstoffe mit einer kurzen Erklärung. Wenn du dich nochmal an die Liste möglicher Ursachen zurückerinnerst, dann gibt es einen weiteren Bereich, den du direkt beeinflussen kannst: deine Ernährung. Um Mangelerscheinungen vorzubeugen, sollte sie ausgewogen sein und einer ausreichenden Kalorienmenge entsprechen. Falls du bei dir einen Nährstoffmangel, eine Stoffwechselstörung oder eine Schilddrüsenstörung vermutest, sprich am besten den Arzt oder die Ärztin deines Vertrauens an. Bewegung ist eine weitere Möglichkeit, Einfluss auf deine Haarpracht zu nehmen. Das mag auf den ersten Blick vielleicht etwas weit hergeholt klingen. Tatsächlich hat Sport/Bewegung einen positiven Effekt auf das Haar: Durch die Bewegung wird auch die Durchblutung der Kopfhaut verbessert. Dadurch werden auch die Haarwurzeln stärker durchblutet und das wiederum fördert das Haarwachstum, weil mehr Nährstoffe und Sauerstoff zu den Haarwurzeln gelangen. Im Hinblick auf dein Styling kannst du bei Haarausfall mit Abwechslung punkten. So schön ein Pferdeschwanz oder eine Mütze auch ist – bei Haarausfall können offenes Haar, das nicht unter einer Mütze steckt, nicht schaden.

Fazit: Auf cleane Produkte und auf dich selbst achten.

Gegen genetisch bedingten Haarausfall kann man leider nicht viel tun, da er auf einer Überempfindlichkeit beruht. Ähnlich sieht es bei kreisrundem Haarausfall aus, da hier die Ursache noch nicht bekannt ist und er bei vielen auch einfach wieder von selbst aufhört. Anders sieht es bei hormonell bedingtem Haarausfall aus. Hier gibt es zwar viele mögliche Ursachen, aber dementsprechend auch verschiedene Ansatzpunkte. Und in einigen Bereichen kannst du sogar etwas tun, ohne Schaden anzurichten. Hierzu gehören eine ausgewogene Ernährung, Bewegung, Abwechslung beim Haarstyling und der Verzicht auf Kosmetikprodukte mit hormonell wirksamen Inhaltsstoffen. Unsere Wildschön Clean Beauty-Produkte sind natürlich auch in Bezug auf letztere „clean“.