Haare Bürsten: Fünf gute Gründe - und wie du es richtig anstellst

  • Warum das Bürsten genauso wichtig wie das Waschen ist.
  • Welche Bürste eignet sich am besten für natürliche Haarpflege?
  • Wie du dein Haar richtig bürstest.

Fettiges Haar oder trockene Spitzen, eine schuppende oder juckende Kopfhaut – vielleicht denkst du, dass das so etwas wie Schicksal ist. Ein Persönlichkeitsmerkmal. Pech gehabt in der Lebenslotterie? Das zumindest will einem die Werbung manchmal einreden. Dabei ist das völlig daneben: Sofern keine Krankheit Ursache für diese Probleme ist, liegt es meistens an falscher oder übermäßiger Pflege. Der Naturzustand deiner Kopfhaut ist: gesund. Der Naturzustand deines Haares ist: seidig und kräftig. Eigentlich hat unser Körper die Haarpflege nämlich ganz gut im Griff – auch ohne Chemiekeulen und tägliche Waschexzesse. In diesem Artikel widmen wir uns einer der wesentlichen Grundlagen für die natürlich Haarpflege: Dem Bürsten. Denn das Bürsten hat verschiedene Funktionen, über die du hier mehr erfahren kannst. Außerdem geben wir dir eine Anleitung, wie das mit dem Bürsten eigentlich genau funktioniert. Du wirst sehen: Dein Haar und deine Kopfhaut werden sich ganz automatisch großartig anfühlen. Vertraue auf Deinen Körper! Und auf eine gute Bürste…

Warum ist das Bürsten der Haare eigentlich so wichtig?

Im Wesentlichen erfüllt das Bürsten zwei Funktionen. Erstens: Es befreit dich von Dingen, die du nicht auf der Kopfhaut und im Haar haben möchtest. Zweitens: Es verteilt die körpereigenen Stoffe bis in die Haarspitzen, die dein Haar schützen und pflegen – auf ganz natürliche Art. Aus diesen fünf Gründen ist es eine gute Idee, dem Bürsten deine Aufmerksamkeit zu schenken:

  1. Die Reinigung fängt mit der Kopfhaut an: In der Nacht, während du schläfst, arbeitet deine Kopfhaut - dann nämlich scheidet sie überschüssige Mineralstoffe und Stoffwechselprodukte aus, die sich auf der Kopfhaut ablagern. Damit die Poren nicht verstopfen und damit der natürliche PH-Wert der Haut erhalten bleibt, müssen diese Ausscheidungen von der Kopfhaut abtransportiert werden. Ansonsten reagiert der Körper darauf nämlich mit einer Steigerung der Talg-Produktion – und das führt letztlich zu fettigem Haar. Eine gute Bürste wird mit diesen Ablagerungen spielend fertig.
  1. Eine gute Bürste ist zudem in der Lage, dein Haar und deine Kopfhaut von Stylingresten zu befreien. Viele Produkte, die du vielleicht verwendest, trocknen das Haar und die Kopfhaut aus und verstopfen die Poren zusätzlich. Außerdem kleistern sie unter Umständen dein Haar mit chemischen Substanzen zu, die den Zugang für die natürlichen Pflegestoffe aus deiner Kopfhaut versperren. Das Zeug muss also möglichst rückstandslos rausgebürstet werden – auch null Problemo für Freund Bürste!
  1. Die mechanische Reinigung mit der Bürste funktioniert gut. Sie funktioniert sogar so gut, dass sie gleich zum nächsten Grund fürs Bürsten überleitet: Wer viel bürstet, braucht weniger aggressive Reinigungssubstanzen. Das Bürsten ist also quasi eine Voraussetzung für die Nutzung von milden, natürlichen Haarpflegeprodukten. Warum solltest du dein Haar außerdem täglich waschen, wenn es doch durchs Bürsten sauber und frisch ist? Wenn du dein Haar regelmäßig bürstest, brauchst du ganz automatisch weniger Haarwäschen – ein echter Pluspunkt für die Selbstpflegekräfte deines Haars.
  1. Deine Kopfhaut unterscheidet sich nicht von der Haut am Rest deines Körpers: Damit ihre Funktion optimal gewährleistet ist, muss sie gut durchblutet werden. Du wirst es dir bereits denken: Durch das Streichen mit einer guten Bürste wird deine Kopfhaut sanft massiert und die Durchblutung angeregt. Dies reguliert nicht nur die allgemeine Hautfunktion; die Durchblutung ist auch wichtig, damit die Haarwurzeln optimal mit Nährstoffen zu versorgen. Diese Nährstoffe werden über die Kapillare – also der ganz feinen Blutgefäße – bis zu den Wurzeln geleitet, während Schadstoffe über das Blut von dort abtransportiert werden.
  1. Die natürliche Haarpflege-Power deiner Kopfhaut: Deine Kopfhaut gibt permanent ein Gemisch aus Talg (Sebum) und Schweiß ab. Das klingt erstmal nicht appetitlich, doch die Mischung ist ideal, um das Haar mit einem natürlichen Säureschutzmantel zu schützen und es bei gleichmäßiger Verteilung zum Glänzen zu bringen. Denn das Sebum besteht aus Triglyceriden, Fettsäuren, Wachsestern und Proteinen, die das Haar wasserabstoßend, geschmeidig und glänzend machen. Mit einer guten Bürste verteilst du das Gemisch zuverlässig bis in die Haarspitzen.

Holz, Kunststoff, Metall: Was ist die richtige Bürste für mich?

Unter Profis gibt es hier keine zwei Meinungen: Am besten geeignet ist eine Bürste aus natürlichen Wildschweinborsten, zumal diese in ihrer Struktur dem menschlichen Haar sehr ähnlich sind. Sie sind fest genug, um bis auf die Kopfhaut vorzudringen und weich genug, damit sie dort keine Verletzungen verursachen und damit sie das Haar nicht schädigen. Aufgrund ihrer Struktur reinigen sie gründlich, während sie Talg und Fett gut aufnehmen und verteilen können. Die Haarbürste aus echten Wildschweinborsten verdankt diese Eigenschaften auch ihrem speziellen Aufbau: Die Borsten sind bei guten Produkten in der Länge abgestuft mit unterschiedlicher Steifigkeit auf dem Paddel untergebracht. Anders als Kunststoffbürsten reinigen Naturhaarbürsten das Haar, ohne dass es dabei statisch aufgeladen wird; und anders als Metallbürsten schädigen sie das Haar deutlich weniger (vor allem in Kombination mit Hitze durch einen Föhn). Günstig sind qualitativ hochwertige Bürsten aus Wildschweinborsten natürlich nicht, zumal die Tiere dafür eben nicht eigens gezüchtet oder getötet werden. Auch wir haben uns aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften für Bürsten aus Wildschweinborsten entschieden, auch wenn wir wo immer möglich auf vegane Alternativen zurückgreifen. In diesem Fall geben wir der Haargesundheit allerdings den Vorrang, zumal wir damit voller Respekt für das Leben einen Beitrag zur vollständigen Verwertung des Tieres leisten. Da dich eine handwerklich gut gefertigte Bürste bei guter Pflege außerdem viele Jahre begleiten wird, glauben wir fest an die Nachhaltigkeit dieses Ansatzes.

Ein Freund fürs Leben: Wie pflege ich eine Bürste aus Wildschweinborsten?

Damit du lange etwas von deiner Bürste hast, solltest du sie nach jeder Nutzung vorsichtig reinigen. Zunächst solltest du Haare in der Bürste vorsichtig mit den Händen oder mit einem grob gezinkten Kamm entfernen. Es gibt auch spezielle Bürsten und Kämme für die Reinigung solcher Produkte, die aus unserer Sicht aber nicht wirklich nötig sind. Anschließend solltest Du die Bürsten leicht mit den Borsten in ein weiches Tuch klopfen, um Schuppen und andere kleine Partikel mechanisch zu entfernen. Falls du nach einiger Zeit das Gefühl hast, dass eine Nassreinigung nötig wird, dann kannst Du die Borsten einfach unter lauwarmem fließendem Wasser mit etwas mildem Shampoo reinigen – das entfernt überschüssigen Talg, der sich im Laufe von Wochen oder Monaten in den Borsten ansammeln kann. Wichtig ist, dass du das Holz anschießend gründlich trocken tupfst und die Bürste zum Trocknen mit den Borsten nach unten auf ein Handtuch legst. Die getrockneten Borsten brauchen anschließend kein extra Pflegemittel, denn der Talg deiner Kopfhaut wird die Borsten nach wenigen Anwendungen ausreichend pflegen.

Wie verwende ich eine Bürste zur Haarpflege richtig?

Neben dem regelmäßigen Waschen ist das tägliche Bürsten die wichtigste Voraussetzung für eine gesunde Kopfhaut und ein glanzvolles und kräftiges Haar. Vermutlich hast du es schon einmal gehört: 100 Bürstenstriche am Tag sollen das Geheimnis zu wunderschönem Haar sein. Aber stimmt das überhaupt? Derart enge Vorgaben sind immer so eine Sache, vor allem da jeder Mensch anders ist und sich auch die Anforderungen an die Haarpflege von Person zu Person unterscheiden. Die 100 Bürstenstriche sind aber ein guter Anhaltspunkt, denn was die Profis dir damit normalerweise eigentlich sagen wollen, ist: Sehr wahrscheinlich bürstest du dein Haar zu wenig. Also: Wir schließen uns der Aussage an! Starte mit besagten 100 Bürstenstichen und experimentiere dann ein wenig herum – du weißt selbst am besten, was gut für dich ist.

Bürsten des Haars nach dem Aufstehen

Da die Produktion von Talg durch die Kopfhaut in der Nacht besonders hoch ist, kannst du es morgens ganz besonders gut bis in die Haarspitzen verteilen. Am besten beugst du dich dazu nach vorn und bürstest vom Nacken über die Stirn bis in die Haarspitzen. Wichtig dabei ist, dass du keinen Teil der Kopfhaut vernachlässigst, sondern von Ohr zu Ohr alle Bereiche berücksichtigst. Anschließend richtest du dich wieder auf und bürstest dein Haar zurück. An Tagen, an denen du dein Haar nicht wäschst, wird das vollkommen ausreichen, um dein Haar zu reinigen, geschmeidig zu halten und ihm Glanz zu verleihen. Wenn du gerade erst mit natürlicher Haarpflege startest, dann habe etwas Geduld: Es kann einige Wochen dauern, bis sich deine Kopfhaut und dein Haar daran gewöhnt haben und sich die Talgproduktion eingependelt hat.

Bürsten des Haars an einem Waschtag: Vor der Haarwäsche

Was viele nicht wissen: Du solltest dein Haar nicht nur nach der Haarwäsche bürsten, sondern auch davor – vor allem dann, wenn du Stylingprodukte verwendest. Die Wildschweinborsten sind wie schon oben beschrieben hervorragend dazu geeignet, Gel, Haarwachs oder Lack schonend aus dem Haar zu entfernen. Durch das Ausbüsten vor der Haarwäsche muss das Shampoo anschließend weniger aggressiv sein, um dein Haar gut zu reinigen. Außerdem wirst du feststellen, dass sich das Shampoo in frisch gebürstetem Haar noch leichter von der Kopfhaut bis hin zu den Haarspitzen verteilen lässt. Zumindest ein kurzes Durchbürsten vor der Haarwäsche ist also Pflicht.

Direkt nach dem Waschen: Vorbereitung auf das Bürsten

Sofern du dein Haar mit Natur-Shampoo wäschst, solltest du nicht versuchen, das nasse Haar zu bürsten. Sowohl das Haar als auch die Kopfhaut sind nach der Wäsche empfindlich gegen mechanische Beanspruchungen. Der einzige Grund, warum das nach der Haarwäsche mit konventionellem Shampoo funktioniert, ist der, dass dein Haar dabei durch chemische Glattmacher vorbereitet wird – darauf stehen wir allerdings gar nicht. Also: Dein Haar sollte gut angetrocknet sein, bevor du dich ihm mit der Bürste näherst. Am besten erreichst du diesen Zustand, indem du das Haar zunächst mit einem weichen Handtuch sanft trockentupfst. Achte dabei darauf, nicht zu viel Druck auszuüben; auch auf kreisende Bewegungen solltest du verzichten.

Erst entwirren, dann bürsten

Bei längerem Haar solltest du mit der Bürste zunächst anfangen, die Haarspitzen zu entwirren. Dabei werden je nach Widerspenstigkeit mehr oder weniger große Haarsträhnen abgeteilt, um das Bürsten zu erleichtern und die Haare nicht zu sehr zu belasten. Vor allem nach deinem Umstieg von konventioneller Haarpflege auf Naturhaarpflege kann das etwas ziepen – denn dein Haar wird einige Wochen brauchen, bis die chemischen Inhaltsstoffe, die dein Haar kämmbar gemacht haben, durch den natürlichen, pflegenden Talg der Drüsen in deiner Kopfhaut ersetzt wurde. Arbeite dich mit der Bürste jetzt immer weiter zur Kopfhaut vor, bis der Haaransatz erreicht ist. Wenn du dein Haar auf diese Weise gezähmt hast, wird das Haar etwa fünf Minuten lang mit sanftem Druck in seiner kompletten Länge gebürstet. Wichtig dabei ist, dass du die Bürste bei jedem Strich wirklich auf der Kopfhaut ansetzt und dann langsam das gesamte Haar entlangfährst. Nur so wird das Sebum vom Haaransatz bis in die Spitzen verteilt. Auch hier gilt: Wenn du gerader erst anfängst, dich mit natürlicher Haarpflege zu beschäftigen, dann gib deinem Körper bitte etwas Zeit. Es ist durchaus möglich, dass sich dein Haar in den ersten Tagen oder Wochen trockener oder fettiger anfühlt als mit konventioneller Haarpflege – doch das gibt sich im Normalfall nach einiger Zeit von ganz alleine. Vertraue auf die Selbstpflegekräfte deines Körpers – für dein Haar gibt es nichts besseres.

Bei Locken bleibt das Haar nicht trocken

Auch die Lockenköpfe unter uns können Ihrer Kopfhaut und ihrem Haar die Pflege mit einer Bürste zukommen lassen. Wenn Du Locken schon einmal mit einer Bürste bearbeitet hast, wirst du allerdings wissen: Mit der Bürste ziehst du die Locken raus, und das Haar steht als Wuschelwolke vom Kopf. Oder, wie einer unserer Friseurexperten einmal sagte: ein Schaf nach einem Stromschlag. Natürlich ist dies nicht der Zustand, den du erreichen möchtest. Etwas Abhilfe schaffst du, indem du dein Haar bürstest, solange es noch leicht feucht ist. Wie auch bei anderen Haartypen, solltest Du dabei stets von den Spitzen her frisieren, also zunächst vorsichtig die Spitzen entwirren, damit du dein Haar nicht unnötig ziehst und damit schwächst oder gar abbrichst. Dabei kann es helfen, auch einen Kamm für Locken zu verwenden, also einen grobzinkigen Holz- oder Hornkamm. Beide Varianten sind antistatisch, sodass sich dein Haar weniger stark auflädt. Um bei dicken Locken bis auf die Kopfhaut zu gelangen, wirst du dein Haar, sobald du oben angekommen bist, abscheiteln müssen, sodass immer nur eine einzelne Strähne bearbeitet wird. All dies wird nicht verhindern können, dass deine Locken durch das Bürsten ihre Struktur verlieren. Unser Profitipp: Feuchte deine Hände nach dem Bürsten an und knete dein Haar vorsichtig durch – dadurch kannst du definierte Locken normalerweise wieder ins Haar „hineinkneten“. Selbstverständlich hängen die Erfolgsaussichten dieses Vorgehens immer etwas von deiner individuellen Haarstruktur ab, und das Ergebnis ist nicht immer so überzeugend, wie du es von der „chemischen Keule“ gewohnt bist. Was also tun, wenn du dein Haar nicht so oft bürsten möchtest und den Talg nicht gut in die Längen hinein befördern kannst? In diesem Fall ist die Versorgung des Haars mit einem Haaröl besonders wichtig, das die Funktion des körpereigenen Talgs übernimmt. Lockenköpfe dürfen das Öl daher auch etwas großzügiger einsetzen, ohne dass sie das Haar überfetten. Die Anwendung erfordert etwas Übung, noch einiger Zeit sollten dir allerdings sehr gute Ergebnisse gelingen. Ihr seht: Die Pflege von Locken ist etwas aufwändiger – aber dafür sind euch der eine oder andere neidische Blick von uns „Glattköpfen“ gewiss.